Hazem El Mestikawy
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My City, 2010–13

Ein Ägypter reist mit dem Zug – naheliegend, dass es sich um den Orient-Express
handeln könnte, der den Westen mit dem Osten verband. Er reist jedoch mit
einem anderen Zug. Auch nicht mit dem Transalpin, der seit 2010 nicht mehr
verkehrt bzw. nicht mehr so heißt und dem Wort entsprechend „alpenquerend“
sein sollte. Nach der römischen Bezeichnung würde er „hinter die Alpen“ führen
und wäre eine Nord-Süd-Verbindung. Der Ägypter, der Zürcher Bürger ist und in
Wien lebt, reist mit einem anderen Zug. Er reist aus dem Orient, der Wiege der
abendländischen Kultur, von Kairo via Alexandria über das Mittelmeer, vorbei an
den Stationen der europäischen antiken Zivilisation, Athen und Rom, weiter nach
Wien und Zürich mit My City.
Der viel zitierte legendäre Satz „Weg mit den Alpen. Freie Sicht aufs Mittelmeer“,
dessen zweiter Teil der Titel einer Ausstellung 1998 im Kunsthaus Zürich war, bekommt
eine neue Dimension. Die Alpen bleiben, werden weiter untertunnelt, und
das Mittelmeer wird auf dem Landweg überbrückt und verbindet den Süden mit
dem Norden. Eine neue Sichtweise wird eröffnet durch das Modell einer kulturellen
Verortung – einer Karte.
Das Wort charta ist vermutlich ägyptischen Ursprungs: „kheret-aa“ und bezeichnet
ein Schreiberkästchen. Aus dem Griechischen „chártēs“ entsteht das lateinische
Wort „charta“ und steht für ein Papyrusblatt und wird so zur Urkunde,
zu einem schriftlich festgehaltenen Übereinkommen. Im Arabischen bedeutet
„kharta“ sowohl Landkarte als auch die strategische Planung von Territorien zwischen
Ländern und deren Abkommen. Das arabische Verb „khat“ heißt aber auch
„schneiden“.
Hazem El Mestikawy schneidet einen Schweizer Weltatlas in kleine Papierstücke
und ordnet sie im kartografischen Modell aus Karton neu an. Eine nach Nordwest
ausgerichtete Transversale führt über das Becken des Mittelmeers. Die Abreiseund
Ankunftsstädte dieser kulturellen Topografie, Kairo–Wien–Zürich, werden
erstmals auch deutsch-arabisch beschriftet. Der Künstler nimmt seine biografischen
Stationen als Modell eines „Trans“: die Grenzen überschreitend, Territorien
verbindend, quer durchgehend, Geschichte transformierend, Mobilitätshindernisse
untergrabend und überbrückend, eine Zeitreise unternehmend, freien Transit
schaffend – auch wenn es für viele nicht möglich ist.
Als Utopie entsteht ein universeller Denkraum, der es wert ist, bereist zu werden.

 

Hazem El Mestikawy: Geboren 1965 in Ägypten. Wird 2006 Schweizer/Zürcher
Bürger und lebt und arbeitet als Schweizer/Zürcher – Ägyptischer/Kairoer Künstler
in Wien. Seine erste Reise ins Ausland führt ihn am 1994 in die Schweiz. Zwei
Jahre später begegnet er der Schweizer Künstlerin Barbara Graf in Kairo. Seit dieser
Zeit reist er regelmäßig mit dem Civilized Shuttle My City, der die Städte Kairo,
Zürich und Wien verbindet; zentrale Station ist Wien.

 

 

 

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